How hating „The Walking Dead“ made me a better person!

twdc

Zu Beginn darf ich mir zu der großartig griffigen Überschrift gratulieren. Soviel Clickbait habe ich hier selten. Außerdem will ich gleich klarstellen, dass sich alle meine Äußerungen nur auf die Walking Dead TV-Serie beziehen. Die Comics habe ich nicht gelesen und die erste Staffel des Telltale-Adventures finde ich großartig.

Trotz meiner großen Abneigung, habe ich die ersten 3 Staffeln von The Walking Dead komplett gesehen und auch von späteren Episoden immer mal was mitbekommen. Meistens spiele ich irgendwas und meine Frau guckt neben mir auf dem Laptop. Zu Anfangs haben wir uns die Serie noch zusammen angesehen, aber ich wollte und konnte irgendwann nicht mehr.

Der Grund dafür ist nicht ausschließlich die Qualität der Serie (auch wenn ich die als nicht sehr hoch ansehe), sondern liegt vielmehr in meinen ganz persönlichen Gefühlen begründet.

Zur Erklärung muss ich etwas ausholen:

Vor einigen Jahren hatte ich eine hitzige Diskussion mit einer Bekannten meiner Frau. Nennen wir sie der Einfachheit halber Petra. Es ging um den Film Sieben – falls den wer nicht kennt: ein Thriller mit Brad Pitt und Morgan Freeman, in dem ein Serienkiller Menschen nach dem Vorbild der sieben Todsünden umbringt – insbesondere um die Darstellung der Todsünde Wollust. Der Killer zwingt einen Mann, sich eine Art Messeraufsatz über den Penis zu ziehen und dann eine Prostituierte zu vergewaltigen.

Der Film bleibt in der Darstellung dieser unglaublich grausamen Tat so unexplizit wie möglich. Will heißen, alles was man als Zuschauer zu sehen bekommt, ist ein blutbeflecktes Bett und ein Bild der Tatwaffe – und auch dies nur für wenige Sekunden. Alle brutalen Bilder, die einem zwangsläufig dabei durch den Kopf gehen, sind eben genau das, nur im Kopf des Zuschauers.

Jedenfalls war es diese Szene, die den Film für Petra unschaubar machte.

Und für meine Reaktion darauf, schäme ich mich bis heute. Zu meiner Verteidigung möchte ich zwar anführen, dass dieser Vorfall, wie gesagt, einige Jahre her ist und ich mich damals mit Traumata, Triggern und Co. noch kein Stück beschäftigt hatte. Ich weiß auch nicht, was hier genau und ob überhaupt etwas getriggert wurde, aber sind wir mal ehrlich, das geht mich einen Scheissdreck an!

Ich sprang also heldenhaft ein, um einen meiner Lieblingsfilme zu verteidigen. Warum die Szene gar nicht eklig sein kein, weil man sieht ja nichts und wenn du das schlimm findest, dann weil dein Kopf eklig ist (oder so ähnlich) Mansplaining, par excellence .

Nun bin ich vor ziemlich genau sechs Jahren zum ersten Mal Vater geworden. Das hat natürlich sehr viel in meinem Leben verändert. Unter anderem auch, wie ich Medien wahrnehme.

Ich weiß noch, wie ich kurz nach der Geburt unseres Sohnes beim Ende von Elfenlied heulen musste. Wegen Vater und Tochter und so (No Spoiler!) Da zeigte sich zum ersten Mal, dass Kinder für mich ein sensibles Thema werden würden. Und daran hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil, das ist eher noch stärker geworden.

Das Kinder – besonders Babys – in Gefahr sind, ihnen weh getan wird, es ihnen allgemein nicht gut geht, oder sie gar sterben, ist für mich in jedem Erzählmedium ein großes Problem. Ich habe schon Bücher weggelegt und Filme ausgemacht, weil ich das nicht mitbekommen wollte.

Wenn ich im Vorfeld schon weiß, dass die Handlung für mich problematisch sein könnte, mache ich oft sogar einen großen Bogen um das entsprechende Medium. Ich weigere mich z.B., mir Die Letzten Glühwürmchen anzusehen.

Kommen wir aber wieder zu The Walking Dead.

Wie Kenner der Serie wissen, kommt im Verlauf der dritten Staffel (glaube ich, MoepOr mag mich ansonsten korrigieren) ein Baby vor. Vorher fand ich die Serie einfach nur erstaunlich langweilig, ab diesem Punkt aber, wurde es für mich kritisch. Ich hatte in jeder Folge ein schlechtes Gefühl, dass dem Baby etwas passieren könnte. Richtige Bauchschmerzen bekam ich davon.

Im Staffelfinale gab es dann eine Stelle, bei der ich entnervt aufsprang, die Serie verfluchte und für den Rest der Folge das Wohnzimmer verließ. Danach sagte ich zu meiner Frau, dass sie TWD in Zukunft alleine schauen muss.

Ich habe darüber mit einigen Freunden und Bekannten gesprochen. Die meisten konnten mein Problem schon nachvollziehen, aber sich damit nicht identifizieren. Und als ich genauer darüber nachdachte, was das für ein Mechanismus ist, der mir wirklich körperliches Unwohlsein bereitete, nur weil etwas passieren KÖNNTE, obwohl man nichts sieht und sich alles nur in meinem Kopf abspielt, musste ich plötzlich an die Diskussion über den Film Sieben denken. Und ich hatte eine laute Stimme im Kopf, die sagte: „Du bist ein Arschloch!

Denn was jemand sehen möchte und was nicht, wo jeder seine persönlichen Limits hat, woraus diese bestehen und worauf sie eventuell zurückzuführen sind, das ist absolute Privatsache eines jeden einzelnen und nichts und niemand hat das Recht, dies zu kritisieren oder jemandem in irgendeiner Weise abzusprechen. Punkt.

Also, sorry Petra, ich war ein Idiot. Außerdem: Fuck Mansplaining und fuck auf den Gefühlen von anderen Leuten herum trampeln. Und die ganze (momentane) Diskussionskultur im Internet sowieso.

Ok, Rant vorbei. Wohl doch zu viel Kaffee und Black Metal heute.

 

P.S.: Petra ist übrigens die einzige Person (soweit ich weiß) die mich je auf Facebook blockiert hat. Allerdings aus einem ganz anderen Grund, hinter dem ich auch heute noch stehe.

Über Silent Protagonist

Here to make you think about death and get sad and stuff …

Dieser Beitrag wurde unter Doppelplusgut, Personal, Thoughts abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu How hating „The Walking Dead“ made me a better person!

  1. moep0r sagt:

    NACH DIESEM TEXT SIND ES SCHON ZWEI DIE DICH BLOCKEN!

    Ne, aber mal im Ernst: ich kann mir schon vorstellen, dass sowas schwerer zu gucken ist, wenn man selbst Kinder hat, aber mich in deine Situation versetzen kann ich mich daher auch nicht.
    Interessant finde ich aber, dass deine Frau trotzdem weitergucken kann, eigentlich sind die doch viel sensibler, du Weichei!!1

    • Ich habe kurz überlegt, ob ich die durchaus objektiven Gründe, warum ich TWD nicht mag, auch ausführen soll. Finde aber, dass das nicht zum dem Beitrag passt.

      Ja, meine Frau ist bei sowas deutlich abgebrühter als ich. Sie kann TWD aber nicht alleine gucken, weil es ihr zu unheimlich ist ^^

  2. Das finde ich sehr interessant, weil ich ehrlich gesagt nie darauf gekommen wäre, dass dies ein Grund (wenn auch einer von mehreren) sein könnte, warum jemand die Serie nicht guckt. Ein wenig nachvollziehen kann ich es schon, da ich aber selber keine Kinder habe, kann ich mich da nicht ganz reinversetzen.

    Ich gucke The Walking Dead übrigens auch nicht, weil ich es total langweilig, stumpf und die Charaktere oberdämlich finde. Bei mir läuft es aber genau wie bei dir. Die ersten 3 Staffeln habe ich gesehen, nun noch so schnipselweise, weil mein Freund es weiterguckt. (Er findet es eigentlich auch schlecht, will aber nicht einfach so aufhören)

  3. Sumi sagt:

    Ich bin da ganz anders als du. Ich bin bin super Sensibel und mich macht sowas auch fertig, ich weine dann und mir wird schlecht aber ich muss das schauen. Ich habe das Gefühl mich damit selbst abzuhärten.

    Ich denke du redest von Lizzie und Mika? Mich hat das auch total kaputt gemacht aber ich finde gut, dass vor solchen Themen nicht halt gemacht wird. Für mich war das eine der stärksten und mutigsten Dinge die die Serie gemacht hat.

    • Ich weiß gar nicht mehr, wie die hießen 🙂

      Ich meine auch nicht, dass es sowas in Filmen, Serien usw. nicht geben darf, ich will es nur einfach nicht sehen.

      Wenn du dir sowas trotz Unwohlsein ansehen kannst, ziehe ich meinen imaginären Hut 😉

  4. Phinphin sagt:

    Interessanter Text!
    Also zum Einen kann ich deine Reaktionen ein Stück weit nachvollziehen. Ich bin ja selbst vor einigen Monaten Vater geworden und für mich sind Szenen, in denen man kleinen Kindern und vorallem Babys etwas antut mittlerweile unerträglich. Auch wenn in den Nachrichten immer wieder von Kindesentführungen oder Kindermord berichtet wird, hat mich das früher relativ kalt gelassen, heute jedoch nicht mehr.

    Ich habe TWD bis zum Ende der 4. Staffel geschaut, habe demenstprechend auch die Szenen mit dem Baby mitbekommen. Muss hier allerdings sagen, dass mich die Szenen mit dem Baby nicht wirklich aufgewühlt haben. Dafür ist mir das ganze Zombie-Setting viel zu unrealistisch und fiktiv. Da hätte ich bei realistischen Thrillern wie Sieben schon eher meine Probleme.

    TWD schaue ich mittlerweile trotzdem nicht mehr. Ich finde die Charaktere unsympathisch, große Storyentwicklungen gibt es auch viel zu selten und irgendwie dreht sich alles immer nur im Kreis. Anfangs standen die Zombies noch im Mittelpunkt (was auch interessant war), mittlerweile geht es aber nur noch um Zwischenmenschliches und Beziehungsdramen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.